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Beinah wie Robin Hood
Bild wird geladen... Heutzutage kennen wir den Yorkshire Terrier vor allem als Schoßhündchen. Beispielsweise Modezar Rudolph Moshammer trug zu Lebzeiten ständig seine Daisy mit sich herum. Dabei hat die Karriere der kleinen Hunderasse im 19. Jahrhundert in der englischen Grafschaft Yorkshire mal ganz anders begonnen.

Klein aber oho

Die Könige verboten ihren Leibeigenen die Jagd, damit verbunden auch das Halten von Jagdhunden. Die Forstmeister der Herrschenden prüften das Dekret mit einem cirka 18 Zentimeter Durchmesser-Reifen. Passte der Hund hindurch, schien er ihnen zu klein für die Jagd. Also züchteten die Menschen eine Rasse, die zwar klein aber dennoch oho war.

Die Ratten- und Mäusejagd, die dem Yorkshire zugeschrieben wird, sollen nach Expertenansicht Vorgängerrassen oder doch die Katzen erledigt haben. Unsere kleinen Freunde mit den immer wachsenden, lang herunter hängenden Haaren jagten Kaninchen. Damit verstießen sie gegen das Gesetz und retteten gleichwohl den armen Menschen wenigstens die eine oder andere Mahlzeit. Beinah wie Robin Hood.

Kein Wunder, dass die Yorkies heute immer noch einen mehr oder weniger ausgeprägten Jagdtrieb mit sich herum tragen und zudem versuchen, die ihnen Anvertrauten zu bewachen und schützen. Angst vor Menschen oder großen Hunderassen kennen sie nicht. Die Kleinen gelten als intelligent, selbstbewusst, wachsam und vor allem lebhaft. Daher ist, wenngleich ihre Winzigkeit es nicht vermuten lässt, eine konsequente Führung durch den Hundehalter erforderlich. Sonst wird der Zwerg zum Riesen … Problem.

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Der Sonderfall

Quanto ist – so oder so betrachtet – ein Sonderfall. Er hat nicht – wie die meisten seiner Artgenossen – Hummeln im Hintern. Vielmehr ist er die Ausgeglichenheit selbst. In seiner inneren Mitte ruhend beobachtet er die Welt um sich herum ohne jeden Argwohn, ohne jede Aufregung, ohne jede Angst. Friedlich und freundlich hoppelt er auf andere Hunde zu, begrüßt ihm begegnende Menschen schwanzwedelnd. Mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit erobert er die Herzen, kann aber eines nie – Politiker werden. Obwohl es der Welt gut tun würde.

Spürt Quanto indes Aggression oder Unfreundlichkeit, dreht er auf dem Absatz um und geht. Er definiert dann das Wort Ignorieren. Seinen Mitbewohnern, den Katern Toni, Romeo und Kimba begegnet der Yorkshire sehr differenziert. Toni mag er zwar, aber er meidet es, mit ihm zu spielen, denn das heißt Raufen. Romeo hingegen schätzt er ebenso wenig wie der ihn. Beide wähnen sich mit Frauchen Jasmin verheiratet und gehen sich aus dem Weg. Kimba wiederum, der Kuschelkater, findet mit Quanto öfter mal Schmusemomente.

Wenn der Yorkshire auf seiner Couch liegt, gerne in der Sonne oder in einer Ecke, macht er keinen Trubel. Es sein denn, draußen an der Tür macht sich jemand zu schaffen. Dann hört man etwas eher seltenes – Quantos Bellen. Das sind die Augenblicke, in denen er mitunter gar die Amtsmiene aufsetzt. Ebenso beim Spaziergang, den er gemeinhin schnüffelnd und schauend nach anderen Hunden verbringt, horcht er schon mal auf oder kläfft, wenn ihm etwas nicht geheuer erscheint. Manchmal, aber nur manchmal, stellt er einem Vogel nach, der auf dem Boden nach Fressbarem sucht. Erwischt hat er noch keinen …

In einem Punkt indes ähnelt Quanto den anderen Yorkshire Terriern sehr. Er nimmt fast jede Krankheit mit, kennt die Tierärzte mit Vornamen und leider auch sämtliche Spritzen und andere quälende, aber letztlich helfende Gerätschaften. Bewundernswert sind dabei die Stärke, der Mut und die Kraft des kleinen Stehaufmännchens. Geduldig und weitestgehend klaglos erträgt er die Prozeduren der Veterinäre. Nichtsdestotrotz flüchtet Quanto sich nach überstandener Behandlung ganz schnell in die Arme des Menschen, der ihn heraus bringt aus dem Raum mit dem höhenverstellbaren Tisch.

Bild wird geladen... Individuell und anspruchsvoll

Hundeliebhaber, die vor haben, sich einen Yorkshire ins Haus zu holen und meinen, weil der so klein und niedlich ausschaut, ist er auch leicht und unkompliziert von jedermann zu händeln, irren also gewaltig. Wie alle anderen Rassen, wie jedes einzelne Tier, benötigt auch der Yorkie sein ganz spezielles Umfeld. Zwar braucht es keinen Rennschlitten wie beim Husky, kein Riesengrundstück wie beim Komondor, keinen Zwölfstundenarbeitstag wie für den Border Collie; durchaus sind Quantos Artgenossen in einer Wohnung gut untergebracht, als ausdauernde Jagdhunde indes freuen sie sich über Bewegung, Beschäftigung, sie möchten dabei sein, wenn der Mensch hinaus geht, sie möchten Kontakte knüpfen und sie müssen – auch das gilt für alle Hunde – in der Mischung aus Konsequenz und Liebe versorgt werden. Und: Ein guter Tierarzt sowie das nötige Kleingeld für seine Bezahlung darf nicht fehlen.

Jörg Joachim nach mehreren unvergesslichen Jahren mit Quanto

Foto: JF, JJ

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