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Bürojob? Nein danke!
Bild wird geladen... Anja Herrmann hat in der NDR Doku „Bismarck – Kanzler und Dämon“ mitgewirkt und in mehreren Serienfolgen bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Lasko – Die Faust Gottes“ oder „Aktenzeichen XY“. Alles bekannte, ehrenwerte Sendungen, die ich aber nie sah. Dennoch kommt sie mir bekannt vor.

Wie das? Hat sie ein Allerweltsgesicht? Beileibe nicht. Die 24jährige schaut aus großen, blau-grauen Augen, ist mit ihren blonden, langen Haaren bildhübsch und keinen wundert’s, wenn da, wo sie auftaucht, die Männer mit verrenktem Hals gegen Laternen laufen. Also warum glaube ich, mich an sie zu erinnern, obwohl ich sie nie sah (auch nicht kurz vor der Laterne)?

Die Antwort wird klar und klarer, je mehr Trailer ich mir von der in Hamburg geborenen Frau anschaue. Nicht die, wenn auch schönen, Äußerlichkeiten sind es, die mich fesseln; vielmehr zieht mich ihre Ausdrucksstärke an. Anja Herrmann setzt jeden Blick, jede Mimik und Gestik so ein wie der Maler den Pinsel oder der Steinmetz den Meisel – gekonnt und Spuren hinterlassend. Manchmal offenbar schon, bevor sie erscheint.

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Dahinter steckt zum einen die fundierte Ausbildung – drei Jahre Freie Schauspielschule Hamburg, weitere Workshops oder beispielsweise Gesangsunterricht. Zum anderen, mindestens ebenso entscheidend, resultiert das, was aus der 1,72 großen Frau an Ausdruck heraus sprudelt, aus dem was an Leidenschaft in ihr schlummert. „In mir lebt es, sobald eine Kamera mich einfängt, Publikum mir folgt, ich vor einem Mikro stehe - in diesem Augenblick gelte nur ich, und das möglichst zu 100 % echt“, gibt Anja Herrmann Einblick. Deshalb ging sie den Weg zur Schauspielerin unbeirrt, geradlinig und sofort. An einem 25. Juni war der letzte Schultag am Gymnasium, am 26.Juni schon die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule.

„Meine Eltern haben beide eine Bankausbildung gemacht, also was (sogenanntes) Vernünftiges. Für mich gab es nie die Überlegung, auch diese Richtung einzuschlagen. Bürojobs und seriöse Arbeitskleidung, nein danke“, blickt sie zurück, „ich muss mich zeigen dürfen, in meiner ganz eigenen Art; leben, sagen was ich denke, ohne großartigen Vorschriften zu folgen oder im Rahmen zu bleiben; Mund aufmachen, ausprobieren, kreativ und mutig sein; den Drang nach Aufmerksamkeit spüren, immer weiter lernen und erfahren, vor allem auch - und viel - über mich selbst.“

Wenn in Hamburg mal die Wolken drohen, muss Anja Herrmann nicht fürchten, dass es ihr in die Nase regnet. Sie trägt sie nicht so hoch, wirkt auch mal in einer No Budget Produktion mit, in einem Hochschulabschlussfilm oder in einer Soap. „Ich kann nur dazu lernen“, zeigt sie sich bescheiden und weitsichtig gleichwohl. Sowieso hält sie die eine oder andere Nachmittags- oder Vorabendserie für besser als ihr Ruf - und schätzt Serienrollen, „weil sie sich entwickeln, das Ende nicht absehbar ist“.

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Eingeengt will die aus Elmshorn stammende junge Frau sich nicht sehen, stand unter anderem in München schon für „Das indische Tuch“ auf Theaterbrettern, absolvierte ein Szenenbild-Praktikum, moderierte fürs Radio oder liebäugelt mit Synchronrollen. „Mein Beruf ist in jeder Hinsicht einer der vielfältigsten, die es gibt“, schwärmt sie, „in meinem Job darf und kann ich gleichzeitig erfahren und verarbeiten. Es bleibt immer lebendig und abwechslungsreich, solange ich (es) lebe. Ehrlichkeit ist da unerlässlich - zum Job, zur Rolle und letztendlich natürlich zu mir selbst.“ Wenn Anja Herrmann ihren eingeschlagenen Pfad genau so ehrlich, authentisch und zielstrebig weiter verfolgt, wird ihr Gesicht in einigen Jahren nicht nur mir bekannt vorkommen.

Jörg Joachim

Weitere Informationen: http://www.anjaherrmann-im-web.de/40029.html

Fotos: Joachim Bischoff, Stefan Malzkorn

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