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Mehrere Sprachen als Segen
Theresa Berg im Interview mit Saoirse O’Mara, einer irischen Autorin. Thema diesen Monat: Vorteile des Fremdsprachenerwerbs und Bilingualität.

Theresa Berg: Saoirse, du schreibst Fachartikel über diese Themen. Warum?

Saoirse O’Mara: Ich selber spreche mehrere Sprachen und bin bilingual, das heißt, ich habe zwei Muttersprachen. In meinem Leben habe ich schon viele Erfahrungen mit dem Lernen und auch Lehren von Sprachen machen können. Dabei habe ich die positiven Seiten, aber auch die Schwierigkeiten vor allem für die Lehrer kennengelernt.

T. B.: Welche positiven Seiten hat der Erwerb von Fremdsprachen in deinen Augen?

S. O.: Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, sind oftmals weltoffener und selbstbewusster. Sie haben gelernt, über ihren Tellerrand hinauszuschauen und interessieren sich meistens auch für fremde Kulturen. Eine Sprache hängt immer stark mit der Kultur ihrer Sprecher zusammen; die Kultur prägt eine Sprache. Das ist auch der Grund, warum sich die Sprachen der ehemaligen Kolonialherren in den ehemaligen Kolonien weiterentwickelt und verändert haben. Während das Spanische und Englische Amerikas noch als die gleiche Sprache zu erkennen ist, weicht das Afrikaans in Südafrika schon stärker von der ehemaligen Kolonialsprache Niederländisch ab. Wer also eine fremde Sprache lernt, lernt dadurch auch immer etwas über eine fremde Kultur.

T. B.: Welchen besonderen Stellenwert hat die Bilingualität als Spracherwerb vom Babyalter an?

S. O.: Kinder, die bilingual oder sogar multilingual mit drei oder vier Sprachen aufwachsen, kann man am ehesten als Weltbürger bezeichnen. Sie sind oft sehr extrovertiert und kommunikationsstark, haben weniger Hemmungen, auch in schwächeren Sprachen zu sprechen. Von zu Hause aus sind sie es gewöhnt, dass es nicht eine wichtige, die wichtigste, Sprache gibt, sondern mehrere Sprachen, die ihren Platz im Alltag haben. Dadurch werden sie im späteren Leben weniger Probleme haben, sich neuen Situationen anzupassen, da sie flexibler und aufgeschlossener sind.

T. B.: Rätst du Eltern also dazu, ihre Kinder bilingual aufwachsen zu lassen?

S. O.: Wenn die Gelegenheit dazu besteht, auf jeden Fall!

T. B.: Du hast am Anfang auch von Schwierigkeiten für die Lehrer gesprochen.

S. O.: Genau. Lehrer sind meistens nicht auf mehrsprachige Kinder im Unterricht eingestellt. Wenn das Kind eine andere als die „neue“ Sprache bereits beherrscht, wird es einfach übergangen, ohne die Vorteile der Mehrsprachigkeit zu nutzen. Am schwierigsten ist es allerdings für Lehrer, die z. B. hier in Deutschland ein Kind im Unterricht sitzen haben, dass zu Beginn des Englischunterrichts bereits fließend Englisch spricht. Die Lehrer werden auf solche Situationen nicht vorbereitet und wissen dann oft nicht, was sie mit dem Kind anfangen sollen. Das Ergebnis: Die Lehrer sind überfordert und das Kind langweilt sich.

T. B.: Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen zu diesen Themen:
http://www.brighthub.com/education/languages/articles/70436.aspx
(Positive Effekte des Fremdspracherwerbs)

http://www.brighthub.com/education/special/articles/70888.aspx
(Integration von bilingualen Kindern in den Sprachunterricht)

http://www.brighthub.com/education/languages/articles/71037.aspx

© Theresa Berg, 10. Mai 2010

 

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