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Ein Buch mit Überraschungseffekt
Bild wird geladen... „Skinny Bitch“ ist ein Bestseller aus den USA, der mit seinem provokanten Titel und dem noch oberflächlicher wirkenden Untertitel „Die Wahrheit über schlechtes Essen, fette Frauen und gutes Aussehen“ auf den ersten Blick eher wenig Spekulation bezüglich seines Inhalts zulässt. Überraschenderweise ist das Buch jedoch weit mehr wert als nur einen zweiten oder sogar dritten Blick. Lockt es zunächst mit einer „mal wieder“ neuen Methode, genau genommen einem Lifestyle, um endlich schlank zu werden und sich dabei noch gesünder zu ernähren, hat es viel mehr zu bieten als bloß (leere) Versprechungen zu den fragwürdigen Themen „Schlanksein ohne Hungern“ und „gutes Aussehen“. Genau diese Themen, die heutzutage mehr denn je einen wichtigen und oft schmerzhaften Teil im Leben vieler Menschen ausmachen, mit einer höheren Botschaft zu verbinden, ist Teil der Strategie des Buches. So kann nicht nur ein Großteil der trägen Allgemeinbevölkerung adressiert werden, sondern auch so manche vorgefertigte Meinung einer kritischeren Leserschaft über ‚diese Art von Büchern’ über Bord geworfen werden.

„Wir haben das Buch so genannt, um Aufmerksamkeit zu erregen und mehr Exemplare zu verkaufen. Wir wollen unsere Botschaft bestmöglich unter die Leute bringen, und wir glauben, dass es mit dem Titel Skinny Bitch am besten funktioniert.“

So erklären die Autorinnen Rory Freedman, frühere Agentin einer großen amerikanischen Modelagentur und Kim Barnouin, ehemaliges Model und diplomierte Ernährungswissenschaftlerin, ihre Titelwahl für das Buch, dessen Inhalt eine Überraschung ist.

Es ist kein Geheimnis, dass unzählige Menschen auf der Welt aufgrund von Übergewicht nicht nur gesundheitlichen und psychischen Folgen, sondern auch einem enormen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt sind. Genau das machen sich die Autorinnen zunutze, um den Leserinnen die Augen zu öffnen, und das sowohl in Bezug auf Figurprobleme und deren Koppelung an ernährungsbedingte Gesundheitsschäden als auch, und das insbesondere, in Bezug auf ein höheres Ideal, nämlich das einer ökologischeren, spirituelleren und ethischeren, der veganen Ernährung.

Im Laufe dieses Aufklärungszuges wird detailliert über sämtliche Gefahren und Langzeitschäden aufgeklärt, die schlechte Lebens- und Genussmittel und deren Zusatzstoffe wie z.B. Aspartam, E-Nummern, Alkohol, Zigaretten und Kaffee mit sich bringen. Vor allem aber kommen die Wahrheiten über Diäten wie die nach Atkins und natürlich über Milchprodukte, Fleisch und Fisch und die dahinter stehenden Industrien und Lobbies auf den Tisch, und das absolut unverblümt und ungewohnt schonungslos.

Dass die Leserinnen und Leser dabei immer wieder Anstoß an der sehr offensiven Sprache der Autorinnen nehmen, wenn es z.B. zum Thema Atkins- bzw. „Ekelfleisch-Diät“ heißt: „Essen Sie das Fleisch toter Tiere! Meiden Sie frisches Obst! Wenn Sie tatsächlich glauben, dass man so schlank wird, dann Gute Nacht. […] Die Tierkadaver-Diät mit Obst-Verbot ist der ICE in die Katastrophe“, ist Teil dieser anfangs befremdlichen, aber nachvollziehbaren Strategie. Drastische Wahrheiten erfordern drastische (Ausdrucks-)Mittel. Und vielleicht ist dies für die breite Masse, die sich mit derartigen Themen leider nur unfreiwillig oder gar nicht auseinandersetzt, gerade angebracht. Am Schluss kommt es schließlich auf den Wahrheitsgehalt der Aussagen an, und der wird in Skinny Bitch durch zahlreiche Studien, die auch im hinteren Teil des Buches zur weiteren Lektüre angeführt sind, untermauert.

Wer es trotz allem noch wagt zu zweifeln, wird spätestens im Teil „Besuch im Schlachthaus“ aus seinem „Dornröschenschlaf“, wie es die Autorinnen ausdrücken würden, gerissen. Hier werden auf mehreren Seiten Aussagen von Schlachthausmitarbeitern aneinandergereiht, die selbst bei Langzeit-Veganerinnen und Vegetarierinnen blankes Entsetzen hervorrufen.

So wird den Leserinnen auf drastische und doch einfühlsame Weise alles Wissenswerte über eine ethischere Lebensweise nahe gebracht, mit der man ganz nebenbei auch noch schlanker und gesünder werden kann, aber auch die Dinge, die man vielleicht lieber nicht wüsste, kommen ans Licht.

Lebensmittellisten für den neuen, veganen „Lifestyle“, ein Restaurantführer, eine Liste mit hilfreichen Websites und vollwertige Speisepläne, die den Umstieg von Fast Food, Fleisch und Fertiggerichten auf eine gesündere Lebensweise erleichtern sollen, runden das Buch und dessen lautes Plädoyer für die vegane Ernährung sinnvoll ab.

Im Nachwort treten die Autorinnen, nachdem sie im Hauptteil des Buches scheinbar großen Wert auf ihre Präsenz in Form von rhetorischen Fragen und drastischen Aufforderungen legten, in den Hintergrund. Dort zitieren sie ausschließlich das Vorwort aus „Old MacDonald’s Factory Farm“ von C. David Coates, das ihrer Ansicht nach die Quintessenz ihres Buches am besten auf den Punkt bringt:

„Ist der Mensch nicht ein komisches Tier? Er tötet Millionen wild lebender Tiere und tut gleichzeitig alles, damit es seinen Haustieren gut geht. Er bringt Milliarden von Nutztieren um und isst sie. Das wiederum bringt Millionen von Menschen um, weil der Verzehr all dieser Tiere zu degenerativen – und letztlich tödlichen – Krankheiten wie Herzleiden, Nierenleiden und Krebs führt. Daher quält und tötet der Mensch Millionen weiterer Tiere, um diese Erkrankungen heilen zu können. Anderswo auf der Welt sterben Millionen von Menschen an Hunger und Unterernährung, weil die Nahrung, die sie ernähren könnte, dafür verwendet wird, Nutztiere zu füttern. Und währenddessen sterben manche Leute an zynischem Gelächter angesichts dieser absurden Menschheit, die dermaßen unbekümmert und brutal tötet, um dann einmal im Jahr Karten zu verschicken und um »Frieden auf Erden« zu bitten.“

Absolut lesenswertes Buch mit Überraschungspotential!

Melanie Schwarz

Foto: Mosaik bei Goldmann

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