Der Fisch stinkt vom Kopf
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Wenn Sternekoch Christian Rach in seiner RTL-Sendung unterwegs ist, um Kollegen davor zu bewahren, mit ihren maroden Restaurants den Bach runter zu gehen, stellt sich immer eines heraus: Der Chef ist verantwortlich. Auch und zuvorderst für die Misere.

Denke ich ein wenig darüber nach, kommen mir Erinnerungen an meine Zeit bei einer Lebensmittelvertriebsfirma, also Tiefkühlkost direkt ins Haus. Auch da gab es gute Zeiten und schlechte Zeiten. Für die unerfreulichen Ergebnisse waren nach Ansicht von oben stets die anderen verantwortlich. Die selben Verkäufer, die tags zuvor noch die Marktführerschaft erlangt hatten, waren heute Schuld, dass die Kaufkraft gesunken war, die Preise gestiegen oder der Service sich durch Einführung technischer Menkenkes verschlechtert hatte.

Der Niederlassungsleiter hielt sich an solchen Tagen in Besprechungen vor versammelter Mannschaft den Zeigefinger wie einen Revolver an die Stirn, sagte „ehe ich das mache …“, wies dann mit dem selben Finger in die Runde, rief „Puff“ und sprach: „tue ich es lieber mit Ihnen!“ Sollte heißen: „Sie haben die Schuld und ehe ich gehen muss, entlasse ich Sie!“ Das war seine Art Motivation und Selbstkritik. Irgendwann flog er. In hohem Bogen. Die Chefetage ganz oben hatte, wie der Restauranttester Rach, erkannt: Der Fisch stinkt immer vom Kopf.

Wie im Kleinen, so im Großen. Nicht die Jungs und Mädels an den Bankschaltern haben ein weltweites Finanzfiasko zu verantworten. Auch nicht die Bankkunden. Weder die Fließbandarbeiter oder Konstrukteure europäischer, asiatischer oder amerikanischer Autokonzerne haben geschlampt und Feste gefeiert, statt die Zeichen der Zeit zu erkennen. Genauso wenig geht eine Kaufhauskette baden, weil die Kassiererin zwischen zwei Kunden atmet oder der Verkäufer die Ladenhüter nicht los bekommt. Oben, ganz oben wurde meist sinnlos und gierig an der Börse verspekuliert.

In solchen Fällen, wenn dann noch eins zum anderen kommt und die Worte „Finanzkrise“ und „Weltwirtschaftskrise“ Kirmes feiern, springt aufopferungsvoll die Politik ein, die heldenhafte und geistesgegenwärtige Regierung. Sie spannt einen Schirm, um Schlimmeres zu verhindern. Mit ihren in den Himmel schiessenden selbstverschuldeten Schulden bürgt sie für die in Not geratene Wirtschaft, gibt Kredite und schnürt Konjunkturpakete. Alles auf Kosten des Steuerzahlers. Die Zeche der Schuldigen zahlt der Unschuldige. Als das Kind in den Brunnen geworfen wurde, war niemand da, es zu verhindern. Nun, da es drin liegt, sollen die Kleinen hineinspringen, sie passen eher in den schmalen Schlund.

Der Staat fordert, dass er die Verwendung seiner Bürgschaften, seiner Kredite auch überwacht. Hätte er mal gewacht, als die Geldgeier Monopoly spielten. Und das wie Amateure, statt wie Profis. Gierige, kurzsichtige Dilettanten in Nadelstreifenanzügen, Pelzmänteln, mit Chauffeuren und Maybach. Unter dem Deckmantel, Arbeitsplätze retten zu wollen, sollen deren dumme Streiche ausgebadet werden, auf dass sie munter weiter pfuschen können. Prima, offensichtlich stinken alle Fische vom Kopf, nicht nur die in der privaten Wirtschaft.

Jo.

Foto : Wolfgang-Bamberg pixelio
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Foto: Mark Bergmann Foto: privat

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